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Automatisierte Fahrsysteme: Wie regionale Unterschiede die globale Entwicklung beeinträchtigen

Trotz der voranschreitenden Globalisierung leben wir in einer Welt mit erstaunlicher kultureller, regionaler und klimatischer Vielfalt – ganz zu schweigen von den vielgestaltigen Fahrbedingungen.

Dies stellt für Entwickler automatisierter Fahrersysteme, die natürlich eine sichere und komfortable Fahrt sicherstellen wollen, eine Herausforderung dar. Continental hat sich dieser Aufgabe durch Durchführung umfassender Testfahrten in vier sehr unterschiedlichen Teilen der Welt gestellt.

Die Voraussetzungen

Um unter alltägliche Bedingungen realistische Daten zu erhalten, wurde das Cruising Chauffeur-System von Continental, mit dem der Fahrer nicht zum Steuer greifen und die Pedale nicht bedienen muss, langwierigen Testfahrten in China, Europa, Japan und den USA unterzogen. Jedes automatisierte Fahrzeug wurde mit zwei Mitarbeitern von Continental besetzt. Hinter dem Steuer prüfte ein mit Testfahrten erfahrender Ingenieur kontinuierlich die ordnungsgemäße Funktion des Systems, jederzeit bereit, bei unvorhergesehenen Ereignissen sofort einzugreifen. Auf dem Beifahrersitz überwachte ein Entwicklungsingenieur die Datenverarbeitung des Systems und nahm Unregelmäßigkeiten der Straße auf.

Ein automatisiertes Fahrzeug muss seine Umgebung genau auswerten. Zu diesem Zweck hat Continental das Comprehensive Environmental Model (CEM) entwickelt, in das Daten von drei unterschiedlichen, am Fahrzeug montierten Sensortypen eingespeist werden, um eine umfassende 360-Grad-Ansicht des Fahrzeugs zu erhalten: Radarsysteme, 2D-Kameras und 3D Flash LIDAR. Jeder Sensor erfasst Daten für die Erstellung eines umfassenden und realistischen Bildes, das in vielerlei Hinsicht der Wahrnehmung des menschlichen Auges überlegen ist. In einigen Fällen muss dem System jedoch die Bedeutung der Daten mitgeteilt werden. Ein Beispiel hierfür sind die regionalen Unterschiede bei der Fahrbahnmarkierung.

Die Fahrrouten

Das Team in den USA fuhr von Detroit, Michigan nach Jacksonville, Florida – oder präziser ausgedrückt: wurde gefahren. Während die Fahrbahnmarkierungen aufgrund der harten Winter im Norden häufig verblassen, werden sie Richtung Süden deutlicher Dies ist nur ein kleines Beispiel regionaler Unterschiede in einem einzigen Land. Auf der Weiterreise wurden jedoch auch Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern deutlich. Während in den USA die Fahrbahn durch eine durchgezogene gelbe Linie begrenzt ist, die nicht überquert werden darf, zeigen derartige Linien in Deutschland eine Baustelle an.

 Zudem weisen die weißen Linien auf deutschen Autobahnen einen anderen Abstand auf als auf spanischen, französischen oder italienischen Straßen. Derartige Unterschiede müssen berücksichtigt werden und das CEM muss in der Lage sein, die unterschiedlichen regionalen Bedeutungen zu erkennen.

Japan gehört zu den wenigen industrialisierten Ländern, in denen Linksverkehr herrscht – eine weitere Herausforderung für das System. Bei der Fahrt unseres Cruising Chauffeurs von der verkehrsreichen Stadt Yokohama Richtung Süden und auf der anschließenden Rückfahrt entlang der Westküste musste das System dichten Verkehr und andere komplexe Situationen meistern. Ein weiterer regionaler Unterschied: In China wird ein Spurwechsel nicht durch Blinken, sondern durch ein kurzes Hupen angezeigt. Um die regionalen Unterschiede und Eigenheiten besser zu verstehen und sicherzustellen, dass die Testfahrzeuge diese richtig verarbeiteten, war das Testteam international zusammengesetzt.

Die Ergebnisse

Eine wichtige Erkenntnis der Testfahrten war, dass der menschliche Faktor nicht außer Acht gelassen werden darf, denn der Fahrstil der einzelnen menschlichen Fahrer in der Umgebung der automatisierten Fahrzeuge unterscheidet sich beträchtlich. Beispielsweise haben deutsche Fahrer den Ruf, schnell aber diszipliniert zu fahren, während Franzosen hinter dem Steuer als eher aggressiv gelten. Auf den breiten, oftmals leeren Highways im Herzen der USA wird Blinken bestenfalls als Option angesehen. 
 

Im Verlauf des Projekts zeigte sich durch die Anwesenheit internationaler Beifahrer ein weiterer allzu menschlicher Aspekt: Die Mensch-Maschine-Schnittstelle (HMI), die Kommunikationsschnittstelle zwischen Fahrer und Fahrzeug, sollte immer dem Land des Fahrers angepasst werden. Während Amerikaner wuchtige Instrumente und Bildschirme bevorzugen, favorisieren deutsche Fahrer eine nahtlose, elegante und nahezu unsichtbare Anordnung. In China und Japan hingegen kann das Cockpit nicht auffällig genug sein – je mehr Soundeffekte, Farben und Animationen, desto besser. Derartige ästhetische Aspekte müssen bei der Vorbereitung automatisierter Fahrzeuge für die Auslieferung in alle Welt berücksichtigt werden.
 
Die Testfahrten mit den automatisierten Fahrzeugen lieferten Continental wertvolle Einblicke und umfassende neue Erkenntnisse. Dies ist das erste Projekt in der Branche, das mit einem derart hohen Maß an Koordination an so zahlreichen unterschiedlichen Orten und unter so vielfältigen Bedingungen durchgeführt wurde. Continental entwickelt die Parameter der Cruising Chauffeur-Software an 11 internationalen Standorten. Das Ziel ist jedoch nicht die Entwicklung eines Einheitssystems, sondern vielmehr eines Systems, das regionale Verkehrsregeln und Eigenheiten stets sicher und korrekt umsetzt – und das weltweit.

 

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